Utopiastadt

Willkommen in Utopiastadt

Seit 2011 kommen hier am Mirker Bahnhof — direkt an der Nordbahntrasse gelegen — Menschen zusammen. Einfach so. Viele von ihnen bleiben, um gemeinsam (ein Stück) Stadt zu gestalten: man diskutiert, hält den Fahrradverleih am Laufen, teilt Werkzeuge und Co-Working Arbeitsplätze, saniert gemeinsam die Bestandsgebäude des alten Bahnhofs und sichert  Brachflächen für weitere »utopische Ideen« und Visionen. Utopiastadt ist einzigartig. So einzigartig, dass sogar ein Stadtentwicklungsforschungsteam aus dem fernen Kalifornien oder auch ein Team aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft aus Kirgisistan angereist kam, um sich ein Bild von all dem zu machen, was hier täglich passiert, sich fortlaufend verändert und überhaupt funktioniert — wie ein andauernder Gesellschaftskongress.

Ein wichtiges Ziel von Utopiastadt ist die Verbindung von Theorie und Praxis: Allgemeine Erkenntnisse münden hier in konkrete Aktionen vor Ort. Gestaltung von Gesellschaft ist hier nicht nur eine leere Worthülse, sondern gelebte Realität. Das vermeindlich utopische Wirken erstreckt sich von konkreten lokalen Projekten vor der Haustür über strategische Vernetzungen auf kommunaler und regionaler Ebene bis hin zu Erkenntnissen, die Wirkungen auf Bundesebene oder gar im internationalen Raum erzielen.

KONKRET

Das Café Hutmacher ist die offene Eingangstür zu Utopiastadt. Am aus alten Büchern gefertigten Tresen lässt es sich mindestens genauso gut plauschen, planen und visionieren wie in den Sitzmöbel, die von Speichern, aus Kellern oder vom Sperrmüll gerettet wurden. Man trinkt den eigenen »Winzig Wein«. Er ist kreiert mit Lukas dem Winzer mit Hut, ist vegan und hat Bio-Standard. Gleich nebenan in der alten Gepäckabfertigung entsteht die Gemeinschaftswerkstatt. Sie beherbergt Werkzeug, Lasercutter, Folienplotter, Werkstätten für Näh- und Stoffarbeiten, Holzbearbeitung, einen Töpferraum und einen »Hackerspace«. Währenddessen verwandeln sich das Café Hutmacher und der ehemalige Wartesaal 3. Klasse immer wieder in eine Bühne für Konzerte von Bands aus dem In- und Ausland, ab und zu in eine Kunstgalerie oder auch in ein gemütliches Wohnzimmer für die ein oder andere Partygesellschaft.

STRATEGISCH

Utopiastadt liegt direkt an der Nordbahntrasse — dem  22km langen Rad- und Fußweg, der sich quer durch Wuppertals Norden bahnt. Bürgerschaftliches Engagement trifft im ThinkTank Utopiastadt auf neue Infrastruktur — mittlerweile hat sich ein vollkommen neues Mobilitätsdenken breit gemacht. Wuppertals erstes E-Lastenrad, das allen zugänglich ist, trifft hier auf Wuppertals erstes Fahrradreparaturcafé, eine Carsharing-Station, einen ehrenamtlichen Radverleih und auf die Gründungsversammlung der Interessensgemeinschaft Fahrradstadt Wuppertal. Wenngleich die Straßen im Quartier noch ganz klassisch autozentriert genutzt werden, kann man rundum Utopiastadt sicher ausprobieren, wie individuelle Mobilität auch ganz anders — und vielleicht sogar deutlich besser — funktioniert. Inzwischen hat die Stadt Wuppertal mittels Förderprogrammen weitere Lastenräder und Elektrofahräder zur freien Vermietung angeschafft und diese durch die gute Vernetzung über das ehrenamtlich etablierte Verleihsystem vermietet. Da aber die Stadt Wuppertal den Verleih dieser Räder selbst nach Ende des Förderprojektes nicht weiter betreiben konnte, findet man auch diese heute zum Verleih unter https://fienchen-wuppertal.de/. So wurde aus einem kleinen engagierten Projekt mit einem Lastenrad eine utopische Strukturveränderung geschaffen.
Das Gleiche gilt auch für die Quartiersarbeit im »Forum:Mirke« und den Ernährungswandel mit »Foodsharing« oder für Aktivitäten im Netzwerk »Transformationsstadt«. Letzteres gründeten Utopiastadt, das Wuppertal Institut, das TransZent und die Neue Effizienz, um genau solche Themen gemeinsam zu entwickeln, zu beforschen und zu vermitteln.

WIRKSAM

Erkenntnisse, die vor Ort aus dem Zusammentreffen von über 200 Ehrenamtler:innen in dutzenden Projekten entstehen, sind nicht nur für das Quartier Mirke und Wuppertal interessant, sondern können auch anderenorts dazu beitragen, Projekte bei ihrem Gelingen zu unterstützen. Aus diesem Grund ist Utopiastadt auch über die Stadtgrenzen hinaus aktiv, um die hier gemachten Erfahrungen mit anderen zu teilen, daran zu forschen und auch wieder neue Erkenntnisse zurück nach Wuppertal zu holen. So ist Utopiastadt z.B. Gründungsmitglied im »Netzwerk Immovielien«. Dort geht es um Immobilien von vielen für viele — und darum, die grundsätzlichen Rahmenbedingungen solcher gesellschaftsprägenden Projekte wie Utopiastadt auf Bundesebene zu stärken.
Andersherum zieht auch die Entwicklung Utopiastadts vom kleinen 200qm Coworking-Space hin zu einer 50.000qm Entwicklungsfläche das Interesse Studierender zahlreicher Fakultäten auf sich. Damit sie ihre Erhebungen nicht ständig von Null beginnen müssen, voneinander profitieren können und die Ergebnisse ihrer Studien direkt wieder in das gesellschaftliche Engagement zurückfließen, haben wir 2015 in Kooperation mit der Uni Wuppertal die »Coforschung« ins Leben gerufen. In der Coforschung tauschen sich Studierende fächerübergreifend zu Forschungen rund um den Bahnhof und das Mirker Quartier aus. Dieses Format haben wir inzwischen auf Bundesebene skaliert und bieten so beim Netzwerk Immovielien angedockt  einen transdisziplinären Austausch zu transformationsprozessen in den Städten.
Seit 2021/22 kann man mit dem Solar Decathlon Europe, ein internationaler Wettbewerb für nachhaltiges Bauen auf dem Utopiastadt Campus den Begriff »energieeffizientes Bauen« ganz konkret vor Ort auch anfassen.

UTOPIA IST ÜBERALL
UTOPIASTADT IST HIER

All das — und noch vieles mehr — findet in einem Bahnhofsgebäude aus dem späten 19. Jahrhundert sein Zuhause. Ein Gebäude, das bei seiner Errichtung absolut stadtprägend und ein wichtiger Motor für die bauliche Entwicklung des Quartiers war. Gut 100 Jahre später lag es weitgehend brach. Seit 2020 sanieren wir es  mit Hilfe von Städtebaufördermitteln des Landes NRW, mit Beiträgen der Stadt Wuppertal, der Jackstädt- und der NRW-Stiftung, weiteren Spender:innen — und vor allem mit tatkräftiger Hilfe zahlreicher Utopistinnen und Utopisten.
Die Mischung aus Engagement für einzelne Projekte und dem engen Austausch darüber beflügelte ein sich beständig ausbreitendes Engagement: Alle Beteiligten sorgen gemeinsam für den Rahmen, in dem sie ihre jeweiligen Projekte zur Weiterentwicklung von Stadt und Gesellschaft ausprobieren und umsetzen können. Sie verwandeln damit eine urbane Brache zurück in einen zentralen pulsierenden Ort und in einen Experimentierraum für unsere zukünftige Gesellschaft.

Utopiastadt ist ein andauernder Gesellschaftskongress mit Ambitionen und Wirkung — und vor allem mit viel Herz und Seele.