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Logbuch

Der Hutmacher auf Wanderschaft

Seit März 2021 erscheint in der Reihe »Logbuch Utopiastadt« regelmäßig eine Kolumne aus Utopiastadt im Wuppertaler Lokalteil der Westdeutschen Zeitung. Und hier auf der Seite.

Diese Kolumne ist von Tiziana Lauria-Schönneis:

Logbuch 0.81

Die Sommerzeit ist des Hutmachers Lieblingszeit – zumindest für den in Utopiastadt. 

Denn wenn die Sonne scheint, der Bahnsteig voller Leben ist und Menschen Halt machen, um ein kaltes Getränk zu genießen, wenn sie bis in die späten Abendstunden bleiben, Zeit miteinander verbringen oder sich sonntags zu Kaffee und Kuchen einfinden, dann wird dieser Ort zu einem großen Wohnzimmer. Das gilt nicht nur für die Gäst*innen, sondern auch für uns Menschen an der Theke. 

Gerade in diesem Jahr hat dieses Outdoor-Wohnzimmer eine noch wichtigere Rolle gespielt. Im Frühjahr musste der Hutmacher seine Räume verlassen, um Platz für die voranschreitende Sanierung zu schaffen. Stattdessen hat er es sich kurzerhand draußen gemütlich gemacht. Mit vielen helfenden Händen und noch mehr klugen Ideen entstand aus zwei Bierwagen und einer handgezimmerten Brücke, die beide miteinander verband, eine Theke, die zwar anders war als gewohnt, aber mindestens genauso gemütlich.  

Auch wenn es noch lange laue Sommerabende und schöne Tage draußen gab, ist inzwischen endgültig der Herbst angebrochen. Schwierige Bedingungen für den Hutmacher in seinem Freiluft-Zuhause. Was wie ein Ende wirken mag, ist in Wahrheit ein Neuanfang. Denn hinter den geschlossenen Läden unserer Bierwagen-Theke tut sich etwas – von Stillstand keine Spur. Die vielen helfenden Hände, die in diesem Jahr schon einen Umzug möglich gemacht haben, packen gerade wieder mit an. Statt Kaffee und Kuchen zu servieren, bereiten sie alles für den zweiten Umzug des Jahres vor.  

Nach fast 15 Jahren Zwischennutzung sind am Mirker Bahnhof die ersten Räume fertiggestellt. Möglich wurde das durch unzählige ehrenamtliche Stunden, die in die Sanierung der Fassade, der Fenster und der Böden geflossen sind. Besonders herausgeputzt hat sich dabei der Wartesaal 1. Klasse. Viele Jahre lang diente der großzügige Raum lediglich als Lager. Dabei war er einst der herrschaftliche Wartebereich für gut betuchte Reisende. Unter einer Decke aus Staub geriet er mit der Zeit auch bei den „normalen“ Besucher*innen von Utopiastadt ein wenig in Vergessenheit. Umso schöner, dass er nach all den Jahren bald wieder in vollem Glanz erstrahlen wird.  

Hier schließt sich auch der Kreis zum Hutmacher. Denn mit seinem zweiten Umzug zieht er in genau diesen Raum: den Wartesaal der 1. Klasse. Mit wieder ein paar klugen Ideen und vielen Stunden engagierter Arbeit entsteht hier ein neues Hutmacher-Wohnzimmer. Ein echtes Wohnzimmer im Warmen. Ein Ort, an dem Menschen bis in die späten Abendstunden zusammensitzen, Zeit miteinander verbringen und sich sonntags zu Kaffee und Kuchen treffen. Ein Ort zum Feiern, Tagen und Heiraten. Für Konzerte, Lesungen, Pubquiz- und Karaoke-Partys. Und natürlich für all die spontanen Begegnungen, die ein Wohnzimmer erst zu einem solchen machen. Dann werden des Hutmachers fleißige Hände wieder Getränke über die Theke reichen – und sich gemeinsam mit den Gäst*innen darüber freuen, diesen besonderen Ort mit Leben zu füllen. Wir freuen uns darauf!


Erstveröffentlicht am 15.10.2026 in der Printausgabe der WZ: https://epaper.wz.de/titles/wzwuppertal/4811/publications/4220/pages/22/articles/2645973/23/2


Hauptgebäude Sanierung

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