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Logbuch

Jeden Tag Workout

Seit März 2021 erscheint in der Reihe »Logbuch Utopiastadt« regelmäßig eine Kolumne aus Utopiastadt im Wuppertaler Lokalteil der Westdeutschen Zeitung. Und hier auf der Seite.

Diese Kolumne ist von David J. Becher:

Logbuch 0.80

Ein Enspurt wird dann ein gelungener Endspurt, wenn man noch mal letzte Energien mobilisieren kann. Zum Beispiel Dich!

Wir befinden uns gerade auf dem Endspurt zu der Eröffnung der ersten Bahnhofsräume nach der Sanierung. Mit dabei ist der wohl schönste Raum in ganz Utopiastadt und sicher auch darüber hinaus: Der Wartesaal 1. Klasse. Deswegen ist jetzt nicht mehr jeden Samstag Workout – sondern jeden Tag. Beim Utopiastadt-Workout werden allerdings keine Gewichte gestemmt oder Laufbänder gedreht, hier werden Holzrahmen geflickt und Fliesen getragen. Jeden Tag. Jeden Tag wird in Gebäudeteil A ein weiteres bearbetetes Fenster eingebaut. Jeden Tag wird weiter am Bahnsteig vor den Ein- und Ausgängen gepflastert. Jeden Tag werden Blumenkästen gebaut und verankert, damit an den Terassen niemand abstürzen kann. Jeden Tag wird geschraubt, geschippt, gesägt, gefeilt, geputzt – und alles von Menschen, die sich ohnehin schon an ganz vielen Stellen ehrenamtlich für die Stadt engagieren. Sie alle bilden den Teil an der großen Sanierungsbaustelle Bahnhof Mirke, den man »bauliche Selbsthilfe« nennt. Also der Teil des Milionenprojekts, bei dem Muskelkraft als Eigenanteil an der Gesamtfinanzierung gilt. Natürlich arbeiten auch die bezahlten Fachfirmen an den entsprechenden Stellen weiter, angeleitet von den bezahlten Fachplaner:innen. Aber parallel sind wir eben alle gefragt: Wir alle gemeinsam bauen Utopiastadt. Auf der Baustelle treffe ich Nachbar:innen, die sich seit Jahren für die Entwicklung hier vor Ort einsetzen. Und Bundesfreiwilligendienstleistende (kurz: Bufdis), die zwischen Schule und Zukunft ein Jahr lang ihre gesamte Energie für das Gemeinwohl einsetzen. Und Menschen, die Utopiastadt schon länger interessiert beobachten und jetzt mal einen Nachmittag mit anpacken wollen. Wann treffe ich Dich?

Wie vermutlich alle wissen, ist ein klassisches Workout dazu da, sich nicht kurzfristig zu verausgaben, sondern langfristig Kraft zu trainieren. Damit uns also im Zwischenspurt zum Wartesaal 1. Klasse nicht die Puste ausgeht, müssen wir einerseits kontinuierlich das Tempo steigern aber gleichzeitig auch frische Kräfte mobilisieren. Da kommst Du ins Spiel: Wir wär es, wenn Du neben dem Feierabendtrainig mal zur Feierabendbaustelle Utopiastadt kommst? Und nächsten Samstag beim joggen einfach direkt zur Mirker Bahnhofsbaustelle läufst, Dir ein paar Fenster schnappst und sie zum Einbauen trägst? Oder ein paar Fliesen in die Schubkarre stapelst?

Neben der Freude, die so ein gemeinsames Anpacken bereitet, ist das Schönste daran das, was bleibt: Auch wenn Du nur einen Nachmittag lang mitgemacht hast, wirst Du für den Rest Deines Lebens bei der Betrachtung des Bahnhofsgebäudes sagen können: Hier, da und dort habe ich persönlich beigetragen. Dieses Fenster habe ich mit eingebaut, diese Fliese festgeklopft. Damit von nun an ganz viele andere Menschen davon profitieren können. Utopiastadt ist eine Immovielie. Eine Immobilie von Vielen für Viele. Und eine:r dieser Vielen bist Du!


Erstveröffentlicht am 10.09.2026 in der Printausgabe der WZ: https://www.wz.de/nrw/wuppertal/in-der-immovielie-mirker-bahnhof-ist-jetzt-jeden-tag-workout_aid-154579937


Hauptgebäude Sanierung